Engagement
Schlafquartier - Ausstellung zur Obdachlosigkeit in deutschen Großstädten
Große Freude! Der Hamburger Künstler Lars Klingenberg zeigt seine Ausstellung mit Stadtbildern, O‑Tönen und Texten im Rahmen des Hamburger Architektursommers auf unsere Initiative. Kommt zur Eröffnung am 7. Mai bei den Architekten Fehlig Moshfeghi vorbei.
Die fortlaufende Arbeit „Schlafquartier – Obdachlosigkeit in deutschen Großstädten“ von dem Aktivisten Lars Klingenberg setzt sich mit dem hochaktuellen und schwerwiegenden Thema Obdachlosigkeit in Deutschland auseinander und betrachtet dieses auch vor dem Hintergrund der Stadtarchitektur. Eindringlich dargestellt wird dies in Form fotografierter Schlafplätze und O-Tönen obdachloser Menschen sowie Textfragmenten sowohl für Fotografie- und Architekturbegeisterte als auch die breite Öffentlichkeit, in den Schaufenstern und Innenräumen des Architekturbüros. Um einen Dialog über die politischen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen zu fördern und Lösungsmodellevoranzutreiben wird es eine Szenische Lesung und Podiumdiskussion mit Gästen aus Politik, sozialen Einrichtungen, den Architekt:innen und dem Künstler geben. Gastkünstler Julius Schreiner zeigt zudem einen Ausschnitt seiner Fotoarbeit “Silent Agents” und bietet eine Führung zu Beispielen defensiver Architektur im Hamburger Stadtraum an.
Immer mehr Menschen in Deutschland sind obdachlos. Seit dem Jahr 2010 hat sich die Anzahl der von Obdachlosigkeit betroffenen Personen mehr als verdoppelt, 56.000 Menschen leben derzeit in Deutschland auf der Straße (2025, BAG W). Es ist lebensgefährlich, keine Wohnung zu besitzen und sich rund um die Uhr ungeschützt im öffentlichen Raum aufzuhalten.
Der Hamburger Fotograf und Aktivist Lars Klingenberg setzt sich in der Ausstellung „Schlafquartier – Obdachlosigkeit in deutschen Großstädten“ in sachlicher Weise mit der Lebensrealität obdachloser Menschen auseinander und rückt deren Schlafstätten in den Mittelpunkt. Mit seinen präzisen Fotografien und den teilweise skulptural anmutenden Sujets schafft Klingenbergeine Anziehungskraft, welche die Betrachter:innen auffordert, länger zu verweilen und genau hinzusehen.
„Obdachlosigkeit in Deutschland ist die individuell ausprägte Folge struktureller Armut, zunehmender staatlicher Unterversorgung und Ausgrenzung. Mit „Schlafquartier“ schaue ich mit ästhetischen und dokumentarischen Mitteln sowie künstlerischen Forschungsmethoden kritisch hinter die Fassade der Obdachlosigkeit.“ sagt Lars Klingenberg. In Form von umfangreichen Analysen und Essays identifiziert er gesamtgesellschaftlich relevante Problemlagen und deren strukturelle Bedingungen sowie die sozialen und politischen Hintergründe.
Obdachlosigkeit wird oftmals in der öffentlichen Wahrnehmung und von vielen Menschen verdrängt, gleichwohl sie gerade in städtischen Metropolen zum Alltag gehört. Mit der Serie ist in den letzten 11 Jahren bis heute eine soziologische Topografie entstanden – eine systematische und vergleichende Darstellung der Orte, an denen die stetig zunehmende Obdachlosigkeit spürbar und wiederkehrend ist.
Podiumsdiskussion und Szenische Lesung am 16.06.2026
Der Titel gibt Stoff zur Diskussion: “Obdachlosigkeit überwinden: Wohnraum schaffen – Hilfsangebote unterlassen”. In der Podiumsdiskussion mit Expert:innen wird der Frage nachgegangen, welche Entscheidungen zu der stetig wachsenden Anzahl obdachloser Menschen führen und welche Lösungen tatsächlich greifen können. Neben Lars Klingenbergnehmen der Quartiersmanager Sascha Bartz (Moderation) und Architekt Mehdi Moshfeghi teil. Aus der Politik ist Ralf Neubauer (Bezirksamtsleiter) und von der wieder eröffneten sozialen Einrichtung Pik As ist Ina Ratzlaff angefragt. Die vorangehende Szenische Lesung verbindet Bild- und Textelemente aus Klingenbergs Arbeit: Die vergleichenden Darstellungen der Schlafquartiere verschmelzen mit Erfahrungs-berichten obdachloser Menschen, vorgetragen von einer Sprecherin, und werden zum Leben erweckt. Ergänzt durch vorgetragene Textausschnitte der aus Recherchen, Interviews und Beobachtungen entstandenen Essays und „Stadttexte“ von Klingenberg.
Führung "Silent Agents" mit Julius Schreiner
Die “Schlafquartier”-Ausstellung wird ergänzt mit Bildern der Serie "Silent Agents" von Julius Schreiner. Der Berliner Fotograf zeigt eindrucksvoll eine Auseinandersetzung mit der architektonischen Verdrängung durch Steine, Zäune oder Lehnen von obdachlosen Menschen im öffentlichen Raum, der sogenannten Feindlichen Architektur. Teil des Programms ist eineFührung zu Beispielen defensiver Architektur im Hamburger Stadtraum.
Lars Klingenberg, 1978 in Aachen geboren, lebt und arbeitet in Hamburg als autodidaktischer Fotograf und Konzeptkünstler mit Fokus auf langfristig angelegten, freien Projekten. In seinen Arbeiten entwickelt er unter anderem „Soziale Skulpturen der Großstadt“, in denen er mit fotografischen Mitteln und iterativen Anordnungen gefundener oder gesammelter Objekte gesellschaftliche Zustände und Armut in Deutschland reflektiert. Seine sachlich-seriellen Bildserien knüpfen an den Verismus und die Bildsprache der Neuen Sachlichkeit sowie die Konzeptkunst der 1960er Jahre an und formulieren einen klaren politischen Anspruch nach gesellschaftlicher Veränderung.
Eckdaten auf einen Blick:
Ausstellung: “Schlafquartier"
Ort: Fehlig Moshfeghi Architekten, Neuer Steinweg 2, 20459 Hamburg
Ausstellungseröffnung: 07.05.2026, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 08.05.-18.06.2026
Öffnungszeiten: outdoor jederzeit, indoor freitags 14-17 Uhr u.n.V.
Podiumsdiskussione & Szenische Lesung: 16.06.2026, 18 Uhr
Führung “Silent Agents” in Hamburgs Mitte (Termin folgt)
